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Das Abendmahl
Biblische und historische Entwicklung

Leonardo DaVinci, Das Abendmahl (Santa Maria delle Grazie, Mailand)

Ursprung:
Das Abendmahl hat seinen Ursprung bei Jesus, auch wenn es sich in der heute gefeierten Form erst nach dem Tod von Jesus ausgebildet hat. Die Feier des Abendmahls geht zurück auf die Mahlzeiten Jesu mit verschiedenen Menschen. Zu der Mahlgemeinschaft mit Jesus ist jeder Mensch eingeladen. Dies soll verdeutlichen, wie Gott sich ein Zusammenleben von Menschen vorstellt. Hier soll niemand ausgegrenzt werden, dafür tritt Jesus mit seinem Leben und Sterben ein. Die Feier des heiligen Abendmahls geht auf das letzte Mahl zurück, das Jesus am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern hielt. Es wurde nach der Überlieferung (Markus 14,12-25) als Passahmahl gefeiert, das die Juden einmal im Jahr zur Erinnerung an die Errettung durch Gott aus der Gefangenschaft in Ägypten begehen (2. Mose 12). Das Kernstück ist eine Mahlzeit, zu der Segensworte und Gebete gesprochen und Geschichten vom Auszug aus Ägypten erzählt werden (2. Mose 12 ff.). Zur Zeit Jesu zog man zum Passahfest nach Jerusalem. Die Opfertiere, meist ein Lamm, wurden im Vorhof des Tempels geschlachtet und in Hausgemeinschaften verzehrt; dazu gab es ungesäuertes Brot.

Symbolik:
Das Abendmahl symbolisiert die Gemeinschaft mit Jesus Christus! Im Abendmahl nehmen wir praktisch Anteil an Jesus durch Brot und durch Wein! Im Mittelpunkt der biblischen Abendmahlsüberlieferung stehen die Worte Jesu, die er zu seinen Jüngern spricht: „Das ist mein Leib“ (Markus 14, 22) und Jesus gibt das Brot an die Jünger. Nach dem Abendessen nimmt er den Becher mit Wein, womit auch das Mahl beendet wird, segnet diesen und sagt: „Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Markus 14, 24). Im Hintergrund dieses Abendessens stehen dabei die Mahlzeiten, die Jesus während seines Wirkens auch schon mit gesellschaftlich benachteiligten Menschen eingenommen hat. In Erinnerung an dieses letzte Mahl feiern wir das Abendmahl und teilen dabei Brot und Wein, wie Jesus es mit seinen Jüngern teilte. Christen feiern daher das Abendmahl, weil Tod und Auferstehung Jesu zentrale Bedeutung für das Leben jedes Christen und der Gemeinde hat!

Das Abendmahl:
Das Abendmahl ist eins der beiden Sakrament in der evangelischen Kirche. Es wird auch Eucharistiefeier (ευχαριστ́ια = Danksagung) genannt. Der Begriff „Abendmahl“ weist indirekt auf die Nacht hin, in der Jesus verraten und gefangen genommen wurde. Vor allem in der evangelischen Christenheit ist der Begriff „Abendmahl“ eine eingeführte und gängige Bezeichnung. Das Abendmahl beinhaltet Gegenwart Gottes und Gemeinschaft, Erinnerung und Vergebung, Verheißung und Wegzehrung, Gemeindebildung und Weltverantwortung. Im Abendmahl ist Christus nach gegebener Konfession, im Wort, im Glauben an Christus, in Brot und Wein gegenwärtig.

Sakrament:
Im Sakrament wird auf eigentümliche Weise kein neues Zeichen erfunden, sondern eine uralte menschliche Erfahrung in einem neuen Zusammenhang gestellt. Auch für uns moderne Menschen bleibt das Sakrament ein großes Geheimnis, das dem Glauben eine unverrückbare Grundlage gibt. Die Bibel kennt nach Martin Luther, nicht sieben wie in der römisch-katholischen Kirche behauptet, sondern nur zwei Sakramente. Gemeint sind damit die von Jesus eingesetzten zeichenhaften Handlungen: Taufe und Abendmahl. Wie schon im II. Lyoner Konzil, im Jahr 1271, wurde 1439 auf dem Konzil von Florenz die sieben Sakramente beschlossen, auf die sich bis heute die römisch-katholischen Kirche beruft: Taufe (baptismus), Firmung (confirmatio), Abendmahl (eucharistia), Buße (poenitentia), letzte Ölung/ Krankensalbung (extrema unctio), Ehe (matrimonium), Priesterweihe (ordo). Nach reformatorischem Verständnis sind Sakramente nicht heilig im eigenen Sinne, weil sie vom Menschen vollzogen werden, denn sie sind in ihrem Kern gepredigtes Wort, das mit einem sichtbaren Zeichen verbunden ist. Die beiden Sakramente sind nach Luthers Auffassung „sichtbares“ Heilswort, das dem Einzelnen zugesprochen wird. Ein Sakrament entfaltet seine Wirkung allein dadurch, dass es als persönliche Zusage des Heils angenommen wird. Daher weist Luther auch die Lehre zurück, nach der in der Messe Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt werden. Durch das Sprechen der Einsetzungsworte über den Elementen durch eine priesterliche Handlung werden diese irdischen Elemente verwandelt in Leib und Blut Christi und können im Tabernakel verehrt werden und bei der Fronleichnahmsprozession getragen werden. Diese Vorgehensweise nennt man in der römisch-katholischen Kirche Transsubstantion. Die Transsubstantionslehre wurde im Mittelalter auf dem IV. Laterankonzil im Jahre 1215 entwickelt. Nach Luther müssen die Sakramente schriftgemäß ausgeteilt werden. Was in der Kirche gelten soll und was nicht, darüber können weder Konzilien noch Päpste autoritär entscheiden, es zählt allein das Zeugnis der Schrift.

Abendmahlsverständnis:
Das Abendmahlsverständnis hat die Frühchristen gespaltet und beschäftigt immer noch die Kirchen, die ein unterschiedliches Verständnis der Abendmahlsfeier haben, wobei eine Hauptfrage lautet: Ist Christus während der Abendmahlsfeier gegenwärtig oder wird seiner gedacht? Oder beides?

Römisch-katholisches Verständnis:
Nach römisch-katholischen Verständnis findet aufgrund der Transsubstantion durch die priesterliche Handlung eine Verwandlung statt. Die römisch-katholische Kirche lehrt seit dem IV. Laterankonzil, im Jahr 1215 die Realpräsenz Christi in Brot und Wein. Brot und Wein werden nach einer priesterlichen Wandlung zu Fleisch und Blut Christi. Damit wird vor Gott das Opfer wiederholt, das Jesus durch seinen Tod für die Menschen gebracht hat. Nach römisch-katholischem Verständnis ist Christus in beiden Elementen präsent. Somit ist die Eucharistiefeier mit beiden Elementen theologisch betrachtet nicht zwingend notwendig. Aus dieser Tatsache wurde der Kelch dem Laien im Spätmittelalter entzogen und nur noch dem Klerus als Vorrecht zugesprochen. Ein offizielles Kelchverbot für Laien wurde jedoch erst 1415 auf dem Konzil von Konstanz erlassen. Heute ist dem Laien wieder der Empfang unter beiderlei Gestalt möglich.

Lutherisches Verständnis:
Durch die Weihe der Elemente des Pfarrers am Altar nimmt die Gemeinde den wirklichen Leib und das wirkliche Blut Jesu Christi in, mit und unter Brot und Wein entgegen. Die lutherische Abendmahlstheologie wird als Realpräsenz, besser gesagt Respräsenz Christi in den Elementen von Brot und Wein verstanden. Beim Abendmahl erhalten Christen durch das Feiern des Abendmahls die Vergebung ihrer Sünden zugesprochen, für die Christus am Kreuz gestorben ist. Die Elemente des Abendmahls sind sinnenhafte Zeichen, die auf Christus verweisen, zugleich sind sie aber die Sache selbst und Christus ist in ihnen gegenwärtig. Die Einsetzungsworte sind neben den Elementen, welche von der Gemeinde in beiderlei Gestalt empfangen werden (evangelische Praxis), ein wichtiger Bestandteil des Abendmahls. Denn obwohl Luther der katholischen Auffassung von der wirklichen Gegenwart Christi im Abendmahl sehr nahe kommt, geht es Luther an dieser Stelle nicht um eine Verwandlung durch eine priesterliche Weihe, sondern es geht darum, dass Brot und Leib Christi, sowie Wein und Blut Christi in einer sakramentalen Einheit vollzogen sind, und sie als sichtbare Zeichen im Zusammenhang mit dem Abendmahl in Dienst genommen werden. Denn die Transsubstantiationslehre der römisch-katholischen Kirche setzt voraus, dass Christus sich erst nach dem Akt der Verwandlung mit den Elementen verbindet. Nach Luther verschwinden Brot und Wein in ihrer Substanz nicht, denn Christus ist in, mit und unter den Elementen. Weiterhin distanzierte sich Luther gegen die katholische Lehre vom Messopfer, denn Christus ist nur einmal für alle gestorben und wird nicht, wie nach römisch-katholischer Lehre, ständig neu geopfert. Luthers Ansicht von der leiblichen Anwesenheit Christi im Abendmahl gründet sich auf die Einsetzungsworte aus dem Markus-Evangelium 14, 24 und dem 1. Korintherbrief 11, 24.

Reformiertes Verständnis:
Nach reformiertem Verständnis sind die Elemente von Brot und Wein nur Zeichen, die auf Christus verweisen. Brot und Wein symbolisieren den Leib Christi und das Blut, das er für uns vergossen hat, aber in den Elementen ist Christus nicht gegenwärtig. Das Abendmahl ist ein reines Gedächtnismahl zum Gedenken an den Opfertod Christi. An dieser Meinungsverschiedenheit, ob das Brot Christi Leib ist oder nur bedeutet, ist im Jahr 1529 im Marburger Religionsgespräch eine Einigung zwischen Luther und Zwingli gescheitert. Lutherische und reformierte Differenzen im Verständnis des Abendmahls wurden erst nach mehr als 400 Jahren durch ökumenische Gespräche auf der Leuenberger Konkordie im Jahr 1973 überwunden.

Einstimmiges evangelisches Verständnis nach der Leunberger Konkordie:
Durch die Handlung des Abendmahls wird zeichenhaft bewusst, dass ich von Christi Tod und der damit zusammenhängenden Sündenvergebung abhängig bin. Brot und Wein symbolisieren den Leib Christi und das Blut, das er für uns vergossen hat. Dadurch, dass ich Brot und Wein zu mir nehme, "schenkt sich der auferstandene Jesus Christus... durch sein verheißendes Wort mit (und nicht „in“) Brot und Wein... Der Glaube empfängt das Mahl zum Heil". Weiterhin unterstreicht die Konvergenzerklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen aus dem Jahr 1982 diesen Aspekt mit dem sogenannten Lima-Papier. Es gilt daher in der Evangelischen Kirche eine ökumenische Gastfreundschaft, wozu alle Christen zum Abendmahl eingeladen sind! Die Zulassung zum Abendmahl erfolgt mit der Taufe. In der Tradition war aber erst mit der Konfirmation die Zulassung zum Abendmahl erlaubt. Inzwischen sind aber schon in vielen Gemeinden Kinder zum Abendmahl eingeladen. Gemeinsame Abendmahlsfeiern von evangelischen und römisch-katholischen Christen sind nach Auffassung der römisch-katholischen Kirche bis heute nicht möglich. In der evangelischen Kirche darf grundsätzlich jeder Christ die Einsetzungsworte sprechen, wenn es nach der Ordnung der Kirche geschieht.

frühchristliche Darstellung eines mit dem Abendmahl verwandten Sigmamahls aus der Calixtus-Katakombe in Rom

Die Abendmahlslehre im konfessionellen Dialog
Das Abendmahl als gottesdienstliches Geschehen ist Zeichen und Vollzug der Gemeinschaft, zu der uns Jesus Christus einlädt und verbindet. Die Lehre vom Abendmahl ist ein besonderer Brennpunkt der konfessionellen Unterscheidung geworden. Ökumenische Versuche bemühen sich hier um wachsende Gemeinschaft. Die aktuelle Differenz zwischen römisch-katholischer und reformatorischen Kirchen ist daher immer noch brisant. In der römisch-katholischen Kirche hat sich ein Verständnis der Eucharistie gebildet, welches auf die Transsubstantionslehre vom IV. Laterankonziel im Jahre 1215 zurückgeht, die geweihte Priester vor und für Gott vollziehen. Genauer betrachtet bedeutet das: Der Priester fordert Christi Kreuzesopfer in der Eucharisti neu auf. Die katholische Kirche hält an sieben Sakramenten fest, welche nur durch bloßen Vollzug wirksam und als heilsnotwendig erklärt werden. Damit ist die „Priesterkirche“ für das Heil der Gläubigen unentbehrlich geworden (vgl. Fischer 2001, 109). Christus gibt sich im eucharistischen Opfer dazu dar, dass die Kirche wiederum ihn und durch sein Opfer getragen sich selbst Gott darbringt. Diese Darbringung bewirkt Vergebung der Sünden und die Zuwendung von Gnade. Dagegen versteht die reformatorische Sicht in der Eucharistie eine „Gegenwärtigsetzung“ des einmaligen Opfers am Kreuz und verwirft somit die mittelalterliche Theologie des Sühneopfergedankens. Die Reformatoren lehnen den Gedanken der Darbringung an Gott entschieden ab, vor allem, wenn sich daran der Gedanke anknüpft, die Kirche vollziehe hier etwas, wodurch bei Gott Gnade erwirkt werden könnte. Für die Reformatoren ist das Abendmahl ausschließlich Handeln Gottes an der Gemeinde. Nach Luthers Verständnis hat Gott seinen Sohn für uns dahingegeben und uns damit seine Gnade zugewandt. Das kann weder wiederholt werden, noch muss man Gott durch eigene Aktionen daran erinnern, um seine Gnade zu erwirken. Die Ablehnung des Meßopfergedankens ist die dogmatisch wichtigste Differenz des reformatorischen Abendmahlsverständnisses gegenüber der römisch-katholischen Tradition. Die Kirchen in der lutherischen Tradition nehmen zwar den Messgottesdienst an, distanzieren sich aber vom Opfercharakter beim Abendmahl und von der Lehre der Transsubstation. Eine weitere wichtige Differenz entsteht in Bezug auf das Verhältnis der Elemente: Brot und Wein zu Leib und Blut Christi. Die römisch-katholische Kirche lehrt die Realpräsenz Christi in Brot und Wein, wonach nach einer priesterlichen Wandlung Brot und Wein, Fleisch und Blut Christi werden. Im evangelischen Verständnis haben die Feiernden in den sinnenhaften Zeichen Anteil an der Gemeinschaft, zu der uns Jesus Christus einlädt und verbindet, und können seiner Gegenwart gewiss sein. Auch sind nach reformatorischen Verständnis alle Christen zum Abendmahl eingeladen. Wonach bei der römisch-katholischen Kirche eine Feier mit evangelischen Christen jedoch nicht möglich ist. Des Weiteren ist nach römisch-katholischen Verständnis Christus in der Eucharistie in beiden Elementen gegenwärtig. Somit ist die Eucharistiefeier mit beiden Elementen theologisch betrachtet nicht zwingend notwendig. Daher hat die römisch-katholische Kirche im Laufe des Mittelalters dem Laien den Kelch entzogen und nur noch dem Priester vorbehalten. Jedoch seit dem II. Vatikanischen Konzil im Jahre 1963, gilt der Entzug des Lainkelches als kirchliches Ordnungsgebot, das durch die Kirche grundsätzlich aufgehoben werden kann. Die Entscheidung, unter welchen Bedingungen der Kelch zu erlauben ist, liegt seit 1970 bei den Bischofskonferenzen und wird daher leider bis heute nur selten praktiziert. Die protestantische Kirche sieht darin eine Praxis, die im Gegensatz zu den Einsetzungsworten steht.
[size="75"](Für diesen Aufsatz danke ich Diakon Sascha Wiegand, Selsingen)[/size]
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