Ephesos

Hauptstadt der Provinz Asia

Einer der faszinierendsten Orte in der Geschichte des frühen Christentums ist Ephesos (heute Selcuk) an der Westküste der heutigen Türkei. Die pulsierende Metropole der Antike mit imposanten Bauten, wie dem Artemision - einem der sieben Weltwunder - war zugleich ein Zentrum christlichen Lebens.

Der Kaiserkult in Ephesos

Ephesos ist mit Sicherheit die selbstbewusstestes Stadt in Kleinasien. Sie ist Provinzhauptstadt und rühmt sich daher immer wieder auf Münzen und in Inschriften metropolis tês Asias, Mutterstadt ganz Asiens zu sein. Ebenso taucht in Inschriften immer wieder die Bezeichnung "neokoros" (Tempelfeger, Tempelhüter) auf. Gemeint sind hiermit die Tempel des römischen Kaiserkults. Die Errichtung solcher Tempel stand den einzelnen Städten nicht frei. Sie mussten ein aufwändiges Bewerbungsverfahren durchlaufen, und im Anschluss daran wird der Stadt das Recht verliehen, einen Tempel zu Ehren eines bestimmten Kaisers zu errichten. Es war auch möglich, dass eine Stadt sich mehrfach um eine solche Neokorie bewarb und dann die Ehrenbezeichnung "dis neokoros" oder "tris neokoros" (zweimaliger / dreimaliger Tempelhüter) führen durfte. Ephesos gehörte zu diesen Städten.
Allerdings ist unklar, ob es zwei oder drei Kaiserkultheiligtümer in Ephesos gegeben hat. In den Inschriften tauchen beide Varianten auf. Archäologisch sind bis dato jedoch nur zwei Kaiserkultheiligtümer nachweisbar, nämlich eines für Kaiser Hadrian (130 n. Chr. geweiht) und eines für die Dynastie der Flavier, also Vespasian, Titus und Domitian (90 n. Chr. geweiht).
Es besteht nun einerseits die Möglichkeit, dass es tatsächlich den inschriftlich belegten dritten Kaiserkulttempel gegeben hat. Andererseits könnte mit der dritten Neokorie auch das Artemision, der bedeutendste Tempel von Ephesos, gemeint sein. Dies wäre zwar keine offiziell richtige Bezeichnung, wird aber andererseits der Bedeutung des Artemis-Tempels von Ephesos in der Vorstellung der Bewohner durchaus gerecht.

Die christlichen Bauten von Ephesos

"Es entstand aber um jene Zeit ein nicht geringer Aufruhr betreffs des Weges. Denn einer mit dem Namen Demetrius, ein Silberschmied, der silberne Tempel der Artemis machte, verschaffte den Kunsthandwerkern nicht geringen Erwerb; und nachdem er diese samt den damit beschäftigten Arbeitern versammelt hatte, sprach er: Männer, ihr wisst, dass aus diesem Erwerb unser Wohlstand kommt; und ihr seht und hört, dass dieser Paulus nicht allein von Ephesos, sondern beinahe von ganz Asien eine große Volksmenge überredet und abgewandt hat, da er sagt, dass das keine Götter seien, die mit Händen gemacht werden. Nicht allein aber ist für uns Gefahr, dass dieses Geschäft in Verruf kommt, sondern auch, dass der Tempel der großen Göttin Artemis für nichts erachtet und auch ihre herrliche Größe, die ganz Asien und der Erdkreis verehrt, vernichtet wird. Als sie aber das hörten, wurden sie voller Wut, schrien und sagten: Groß ist die Artemis der Epheser! Und die Stadt geriet in Verwirrung; und sie stürmten einmütig nach dem Theater." (Apg 19,1-29)

Die Johannesbasilika

Ephesos ist geprägt von einer sehr starken Johannes-Tradition (die Gelehrten streiten darüber, um welchen Johannes es sich handelt. zur Auswahl stehen u.a. der Jünger Johannes, der Verfasser der Apokalypse, der sog. Presbyter Johannes, der Zebedaide Johannes...).

Eine Grablege auf dem Ayasoluk-Hügel wurde von den frühen Christen als die letzte Ruhestätte dieses Johannes verehrt, und so wurde bereits im 4. Jh. n.Chr. ein Memorialbau mit Basilika über dem Grab errichtet.

Justinian ließ die vorhandenen Bauten im 6. Jh. niederreißen, um eine neue Basilika zu errichten. Diese orientierte sich architektonisch stark an der Apostelkirche in Konstantinopel. Es handelt sich dabei um eine Kreuzkuppelkirche in Form eines lateinischen Kreuzes, deren Hauptkuppel sich direkt über der Grablege erhob. Das Baptisterium des Vorgängerbaus wurde beibehalten. Auch heute noch sind in zahlreiche Bodenmosaiken zu erkennen, und auch das Taufbecken ist noch erhalten.

Die Marienkirche

Im Jahre 431 n.Chr. tagte das 2. Ökumenische Konzil in der Marienkirche, die durch den Umbau der Südhalle des Temenos des Olympieion entstand. Die besonders repräsentativ gestaltete dreischiffige Halle war 263 m lang. Sie bot sich zu dem Umbau in eine Kirche an.

In einer ersten Bauphase wurde die westliche Hälfte der Säulenhalle in eine dreischiffige Basilika umgestaltet. Dazu wurde die ursprüngliche Basilika auf ihre halbe Länge reduziert und an das neue Ostende eine Apsis eingebaut. Dem basilikalen Kirchenschiff westlich vorgelagert legte man einen Narthex an.

Des Weiteren kamen ein Atrium und daran angrenzend ein Baptisterium hinzu, das durch eine Nutzung des südlichen Endes der N-S-Halle des ursprünglichen Temenos entstand.

Das Baptisterium war oktogonal gestaltet und mit Marmor verkleidet. Teile der Wandverkleidung befinden sich noch heute an Ort und Stelle. An zentraler Stelle befindet sich das in den Boden eingelassene Taufbecken, das eine Ost-West-Orientierung hat.

In einer weiteren Bauphase wurde der eigentliche Kirchenraum geteilt. Im westlichen Teil entstand eine Kuppelkirche, der östliche Teil wurde zu einer Pfeilerbasilika umgestaltet.

Das sogenannte Lukasgrab

Die Forschung am Lukasgrab, das sich in der Nähe des Magnesischen Tores befindet, ist noch nicht abgeschlossen, es ist aber gesichert, dass dieses Bauwerk zwei wesentliche Bauphasen erlebt hat.

In der ersten Phase handelte es sich um eine römische Brunnenanlage, einen Monopterusbrunnen, der in der Mitte des 2. Jh. n.Chr. errichtet worden war. Das Podium hatte einen Durchmesser von 15,15 m. Auf der Sockelmauer sind 16 Pfeiler errichtet worden, die mit Orthostatenplatten verkleidet waren. Bei den Ausgrabungen wurde an der aus byzantinischer Zeit stammenden Südtreppe eine dreisträngige Wasserleitung freigelegt, die auf den Mittelpunkt des Rundbaus zulief. Diesen bildete ein Mittelpfeiler, der innen hohl war. Die Zugänge befanden sich an der Ost- und Westseite, die heute byzantinisch überbaut sind. An der Nordseite zwischen zwei Pfeilern hat sich ein in den Boden eingelassenes Wasserbecken (70 x 35 x 50 cm) zum Ablauf des Brunnens befunden.

Auffällig sind die T-förmigen Verlängerungen der Säulenfundamente in Richtung Mitte. 14 Zwischenräume waren von außen durch Türen zu betreten, von denen vier in den Umgang um die Mittelsäule führten, die übrigen führten in Kammern, die hinten verschlossen waren. Die Nutzung dieser Kammern ist unklar.

In der 1. Hälfte des 5. Jh. n.Chr. wurde die römische Brunnenanlage byzantinisch umgestaltet. Eine Unterkirche im östlichen Sockelbereich und eine oberirdische Kirche entstanden. Dazu wurde die Brunnenanlage nicht nur durch den Einbau einer ringförmigen Fundamentmauer erweitert. Auch entstanden ein Narthex an der Stelle der westlichen Treppenanlage und eine Apsis an der östlichen Treppenanlage. Damit der Kirchenraum der Unterkirche, für den die radialen Mauern im östlichen Sockelbereich entfernt wurden, eine hinreichende Raumhöhe erhielt, wurde das Bodenniveau um 40 cm tiefer gelegt. Der Zugang zur Unterkirche lag zwischen Säule 12 und 13. Er war von zwei Pfeilern mit Kreuz bzw. Stier und Kreuz umgeben. Bei den Pfeilern handelt es sich um Spolien; auf der Seite des Pfeilers mit Kreuz und Stier ist noch eine ausgeschlagene Personendarstellung zu erkennen, womöglich eine Person im Redegestus.

  • Modell der Johannesbasilika
    Modell der Johannesbasilika
  • Johannesbasilika
    Johannesbasilika
  • Johannesbasilika
    Johannesbasilika
  • Marienkirche
    Marienkirche
  • Marienkirche
    Marienkirche
  • Baptisterium der Marienkirche
    Baptisterium der Marienkirche
  • Die Marienkirche
    Die Marienkirche
  • Die Marienkirche
    Die Marienkirche
  • Die Marienkirche
    Die Marienkirche

Die Paulus-Grotte

Die sogenannte Paulusgrotte ist eine 7 x 3 m große Höhle, von der aus ein ca 15 m langer Gang in den Berg hinein führt. Die Paulusgrotte trägt diesen Namen aufgrund eines Freskos mit der Darstellung von Paulus, das sich an der westlichen Längswand befindet. Zu Beginn des Ganges ist zunächst eine Darstellung Abrahams mit Isaak zu finden. Die Fresken wurden von Hirten, die diese Höhle als Unterstand und Feuerstelle nutzten, mit einer Kreideschicht versehen. Vor der christlichen Nutzung dieser Grotte scheint sie auch bekannt gewesen und genutzt worden zu sein. Darauf lässt eine Gipsschicht unter den Fresken schließen, die zwar nicht bemalt wurde, auf der aber noch Fingerabdrücke und Graffiti zu erkennen sind.

Die Fresken stammen aus dem 6. Jh. n.Chr. Am Eingang kann man auf einem roten Hintergrund eine Fürbitte lesen. Im Gang befindet sich ein Fresko, das die Legende von Paulus und Thekla wiedergibt. Paulus ist recht ungewöhnlich dargestellt, nämlich mit geteiltem Bart. Damit soll er vermutlich als jüdischer Schriftgelehrter dargestellt werden. Links von ihm ist im Obergeschoss eines Hauses am Fenster Thekla zu sehen, die der Predigt des Paulus zuhört. Auf der anderen Seite ist Paulus von Theokleia flankiert, die nach den apokryphen Paulus- und Theklaakten ihre Tochter davon abzuhalten versucht, den asketischen Predigten des Paulus zuzuhören und zu folgen.

Der erwähnte Gang führt zu einer weiteren Höhle. Am Ende des Ganges waren wohl vor dem eigentlichen Altarraum Chorschranken angebracht. In der Mitte des Altarraums ist Christus dargestellt, rechts und links von ihm sind jeweils drei lebensgroße Gestalten mit einem Nimbus abgebildet.

Das Siebenschläfer-Coemeterium

Einer Legende nach sollen sieben Männer während der Decischen Verfolgung (249-251) in eine Höhle geflüchtet sein, in der sie dann von den Verfolgern eingemauert wurden. Unter Theodosius II. (408-450) sollen diese Männer wieder hervorgekommen sein. Ebenso wie viele andere Orte, beansprucht auch Ephesos für sich, Schauplatz dieses Vorfalles gewesen zu sein.

In der Höhle sind heute noch 10 Grabkammern zu erkennen. Über diesen ist wohl gegen Ende des 4. Jahrhunderts n.Chr. eine Kirche errichtet worden, die mit der unterirdischen Anlage über eine Treppe im nördlichen Vorhof verbunden war. Am Eingang des Coemeteriums befindet sich ein Sarkophag, der als letzte Ruhestätte der Maria Magdalena verehrt wird.