Aurelius Augustinus

Die Hauptquelle für das Leben Augustins ist seine Schrift Confessiones, die 397 oder 398 n. Chr. entstanden ist. Sie stellt die bedeutendste christliche Selbstbiographie der Spätantike dar. Darin beschreibt er sein eigenes Leben als Exempel göttlicher Gnade. Die Confessiones sind in 13 Büchern verfasst. Buch 1–9 beschreiben Augustins Weg bis zur Bekehrung im Jahr 386 in Mailand. Buch 10 gibt einen Rechenschaftsbericht über die Zeit der Abfassung der Confessiones. Die Bücher 11–13 legen Genesis 1 aus und beschäftigen sich mit der Herkunft des Bösen.

Aurelius Augustinus wurde am 13. November 354 in Thagaste (Numidien) geboren. Sein Vater Patricius war Heide, seine Mutter Monnica jedoch Christin. Im nahe gelegenen Karthago1 nahm Augustin sein Rhetorikstudium auf. In dieser Zeit vergnügte er sich im Theater und hatte mehrere Liebschaften, aus denen der Sohn Adeodatus hervorging. In Karthago hatte Augustin auch seine ersten Begegnungen mit den Schriften der Bibel, mit denen er sich lediglich unter literarischen und philosophischen Gesichtspunkten auseinander setzte, so dass sie ihm nicht besonders ansprechend erschienen. Überhaupt entwickelte Augustin in seiner karthagener Zeit ein kritisches Verhältnis zum kirchlichen Christentum, was letztlich dazu führte, dass er sich der gnostisch geprägten Gruppierung der Manichäer anschloss. In deren Lehre, die von einem kosmologischen Dualismus und der Askese als Weg zur Erleuchtung geprägt war, sah er eine höhere Form des Christentums. Die Begegnung mit dem manichäischen Bischof Faustus von Mileve hinterlässt bei Augustin jedoch einen negativen Eindruck. Faustus lehnte ähnlich wie Marcion das Alte Testament ab und führte das Böse auf einen Gott der Finsternis zurück.

383 n. Chr. zieht es Augustin als Rhetoriklehrer nach Rom. Ab 384 n. Chr. finden wir Augustin in Mailand wieder, wo er sich mit dem Neuplatonismus auseinandersetzt, was ihn letztlich zur Abwendung vom Manichäismus bewegt. Der Neuplatonismus ist von einem güter-ethischen Ansatz geprägt, der Gott als das höchste Gut betrachtet und das Böse nicht materiell definiert, sondern als Fehlen des Guten. In seiner Mailänder Zeit begegnet Augustin auch dem Bischof Ambrosius von Mailand, dessen Predigten eine starke Faszination auf Augustin ausüben und ihn der katholischen Kirche wieder näher bringen.

386 n. Chr. schließlich kommt es zu einem Bekehrungserlebnis in Form der berühmten Gartenszene, die im achten Kapitel der Confessiones geschildert wird. Zu Ostern des Jahres 387 n. Chr. lässt sich Augustin schließlich durch Ambrosius in Mailand taufen. In der Zeit nach seiner Taufe entwickelt Augustin eine christliche Philosophie, die vom Neuplatonismus geprägt ist. So sieht er beispielsweise den Ursprung des Bösen in der Willensfreiheit des Menschen und der daraus resultierenden Auflehnung gegen Gott begründet. Augustin zieht sich in die Abgeschiedenheit zurück und beginnt ab 388 n. Chr. ein asketisches Leben in seiner Heimat Nordafrika. Im Jahr 391 wird Augustin zum Priester geweiht, und 395 n. Chr. tritt Augustin das Amt des Bischofs von Hippo Regius, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 430 n. Chr. lebte.

Theologie

In seiner Zeit in Mailand begegnet Augustinus erstmals der monastischen Lebensweise. In der Nähe der Stadt befindet sich ein Kloster, das ihn sehr beeindruckt, außerdem liest er die Vita Antonii. Die Aussagen von Röm 13,13 bezieht Augustinus direkt auf sich und seine Lebensumstände, was schließlich zu seiner Bekehrung zum Katholizismus und letztlich zu seinem Entschluss führt, asketisch zu leben. Nach der Taufe durch Ambrosius 387 n. Chr. widmet sich Augustinus vor allem dem Verhältnis zwischen Gut und Böse er wird von der Frage umgetrieben, worin das Wesen des Bösen besteht und woher es kommt. Die wichtigsten Schriften dieser Zeit sind Contra Academicos, De immortalitate animae, De ordine u. a. Beeinflusst durch die Lektüre der Paulus-Briefe kommt Augustin zu dem Schluss, dass das Böse seinen Ursprung im freien Willen des Menschen hat. Damit rückt er von seinem früheren, durch den Manichäismus beeinflussten Standpunkt ab, dass das Böse eine eigene Substanz besitze und ein kosmisches Prinzip sei.

Um das Jahr 397 n. Chr. verändert sich Augustins Verständnis vom freien Willen des Menschen. Diese Wandlung geht mit seinem Eintritt in kirchliche Ämter einher (391 Wahl zum Presbyter, 395 oder 396 Weihe zum Bischof von Hippo Regius). Augustin bestreitet nun, dass der Mensch eine Wahlfreiheit gegenüber Gott hat. Eine Hinwendung des Menschen zu Gott kann nur durch göttliche Gnade erfolgen. Der Wille des Menschen ist nunmehr nach Auffassung Augustins die Kraft, die den Menschen zum Guten befähigt. Allerdings lebt der Mensch in dieser Welt unter der Bedingung des Sündenfalls und ist daher zum guten Willen nicht fähig. Diese Befähigung erhält er erst durch die Taufe. Hierin zeigt sich der radikale Wandel im Denken Augustins: Trieb ihn zuvor die Frage nach dem Ursprung des Bösen um, so ist es nun der Ursprung des Guten, den Augustinus sucht. Das Gute entspringt – so Augustin – keineswegs aus den guten Werken, die ein Mensch tut, sondern allein aus der Gnade Gottes. Eine starke Prägung durch diese Gedanken weist das autobiografische Werk Augustins auf – die Confessiones.