Konstantin der Große

Münze KonstantinDer eigentliche Name von Konstantin war Flavius Valerius Constantinus. Er war der Sohn des Constantius Chlorus und der Helena. Geboren wurde er in Naissus, wahrscheinlich im Jahr 285 n. Chr. Bereits in jungen Jahren lebte Konstantin am Hofe des Kaisers Diokletian und erlebte so aus nächster Nähe die Diokletianische Christenverfolgung.

Konstantin war bereits im Jahr 300 n. Chr. mit Fausta, der Tochter des Kaisers Maximian verlobt, hatte aber einen Sohn mit seiner Konkubine Minervina. Dessen Name war Crispus.

Nachdem Diokletian und Maximian wie vorgesehen abgedankt hatten, wurde Konstantin zunächst bei der Bildung der zweiten Tetrarchie übergangen, woraufhin er fluchtartig den kaiserlichen Hof des neuen Herrschers Galerius verließ. Zunächst fand Konstantin Unterschlupf bei seinem Vater, der allerdings bald starb. Dies veranlasste die Truppe dazu, Konstantin am 25. Juli 306 zum neuen Augustus auszurufen, damit er den Reichsteil seines Vaters als Herrscher übernehmen konnte. Galerius erkannte Konstantin allerdings nur den Titel Caesar zu.

Während Konstantin gegen die Franken und Alamannen kämpfte, wurde in Italien Maximians Sohn Maxentius zum Kaiser ausgerufen. Auch Maximian selbst nahm wieder den Kaisertitel an und sucht daraufhin Unterstützung bei Konstantin in Gallien. Als Gegenleistung erkannte er dessen Rang als Augustus an und gab ihm Fausta in die Ehe. Den Augustustitel konnte Konstantin allerdings nicht behaupten. Bereits auf der Konferenz der Kaiser in Carnuntum im Jahre 308 n.Chr. wurde er wieder zum Caesar degradiert. Maximian und Maxentius wurden sogar gänzlich vom Kaiserkollegium ausgeschlossen. Das ließ sich Konstantin nicht gefallen und legte sich eigenmächtig den Titel „Augustus“ zu. Auch Maxentius konnte seine Position halten; er herrschte über das Zentrum des Reichs. Maximian floh zunächst zu Konstantin, wurde aber bereits 310 n. Chr. in Marseille als Hochverräter von Konstantin gerichtet. Da dessen Herrschaft noch immer nicht vollständig gesichert war, nahm er nun eine fiktive Abstammung vom römischen Kaiser Claudius Gothicus für sich in Anspruch, um seine Macht durch das Recht seiner Geburt zu legitimieren.

Galerius starb im Jahre 311 n. Chr. kurz nachdem er das Edikt erlassen hatte, das den Christen die Duldung ihrer Religion aussprach (Toleranzedikt). Im Jahr 312 n. Chr. begann Konstantin mit Billigung des Licinius den Kampf gegen Maxentius und marschierte auf Rom. Dort kam es am 28. Oktober 312 n. Chr. zur berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke, in der Maxentius sein Leben verlor.

Konstantinsbogen, Rom, Copyright: Sebastian BuckUm diese Schlacht ranken sich zahlreiche Legenden. In der christlichen Überlieferung (Laktanz, Euseb) wird davon berichtet, dass sich Konstantin mit der Bitte um den Sieg an den Christengott gewandt haben soll. Wie groß der Wahrheitsgehalt dieser Aussage sein mag, lassen wir dahingestellt. Fakt ist aber, dass in der Inschrift am Konstantinsbogen, der zu Ehren von Konstantins Sieg über Maxentius errichtet worden ist, die Formulierung INSTINCTV DIVINITATIS MENTIS („durch Eingebung des Geistes der Gottheit“) auftaucht. Diese bewusste Vermeidung der Nennung einer bestimmten Gottheit lässt alle Möglichkeiten offen. Konstantin war von jeher dem Henotheismus zugetan. Er verehrte zunächst Apollo als seinen persönlichen Schutzgott, später Sol Invictus. Auch der Konstantinsbogen steht in geographischer Verbindung zum Sol Invictus. Beim Durchschreiten des Bogens Richtung Forum blickte man auf die Kolossalstatue, die Kaiser Nero in seiner Domus Aurea hatte aufstellen lassen (und von der das Kolosseum seinen Namen hat). Diese Statue zeigte den Kaiser als Sol Invictus. Die axiale Ausrichtung des Bogens auf diese Statue gibt vielleicht einen Hinweis auf die wahre Bedeutung des in der Inschrift genannten „instincu divinitatis mentis“. (Mehr über die Beziehung des Konstantin zu Sol Invictus in Sebastian Buck: Mithras. Geschichte einer Gottheit, S. 112ff.)

Fakt ist ebenso, dass Konstantin in der Folgezeit zunehmend Politik für die Christen macht. 313 n.Chr. einigt er sich mit Licinius auf ein religionspolitisches Programm, das für für die heidnischen Kulte und auch für das Christentum Religionsfreiheit vorsah, aber den christlichen Gemeinden besonders entgegen kam. In Rom stiftet Konstantin die Laterankirche. Im östlichen Reichsteil setzte Licinius die Maßgaben des Abkommens ebenfalls um. Lediglich in Nordafrika gab es Schwierigkeiten, da sich dort die Donatisten von der Mutterkirche abgespalten hatten. Konstantin lag viel daran, die Einheit der Christen zu wahren, daher berief er im Jahr 314 n.Chr. eine Synode der westlichen Bischöfe nach Arles, bei der sich die donatistischen Bischöfe allerdings nicht unterwarfen. In der Folgezeit kam es immer wieder zu Unruhen, die sogar donatistische Märtyrer hervorbrachten. 321 n.Chr. schließlich sieht sich Konstantin gezwungen, den Donatisten eine bedingte Duldung zu gewähren.

Während dieser Jahre hat Konstantin die Kirche mit immer mehr Rechten und Privilegien ausgestattet und u.a. den Sonntag zum staatlichen Feiertag erklärt. Bei alldem wurde das Heidentum aber nicht durch staatliche Reglementierung beschränkt, sondern konnte ungehindert neben dem Christentum bestehen.

Es gab mehrere Konflikte zwischen Konstantin und seinem Mitkaiser Licinius. Augenfällig wird dies z.B. anhand der Münzprägung. Während Konstantin christliche Symbole prägen ließ, war Licinius stark im Heidentum verwurzelt. Außerdem gab es seit 321 n.Chr. keine einheitliche Ernennung der Konsuln mehr. Die Konflikte zwischen den Herrschern wurden auch als Religionskrieg ausgetragen. Im Jahr 324 n.Chr. besiegte Konstantin Licinius und ließ ihn als Staatsfeind hinrichten. Damit war Konstantin Alleinherrscher, was z.B. auch in der prunkvolleren Ausschmückung des Hofzeremoniells niederschlug.

Da die Christenheit immer schärfer werdende Auseinandersetzungen mit der Gruppierung der Arianer führte, bei denen es um die Trinitätslehre ging, sah sich Konstantin genötigt, erneut ein Konzil einzuberufen. Diese Synode aller Bischöfe trat 325 n.Chr. in Nicäa zusammen und belegte Arius mit dem Kirchenbann.

330 n.Chr. wurde das alte Byzantium als Konstantinopel als neue Hauptstadt des Imperiums und kaiserliche Residenz geweiht. Die Verlegung des Zentrums des Reichs in die hellenistisch-christliche Welt macht sein Interesse an ihr deutlich.

337 n.Chr. ließ sich Konstantin auf dem Sterbebett taufen und wurde in einem Mausoleum in Konstantinopel nahe der Apostelkirche beigesetzt.

Zeittafel

Biographische und historische Daten

  • um 285: Konstantin wird als Sohn von Constantius Chlorus und Helena in Naissus (heutiges Niš / Serbien) geboren.
  • 306: Nach dem Tod seines Vaters wird Konstantin in Britannien von den Truppen zu dessen Nachfolger ausgerufen. Er übernimmt die Residenz in Trier.
  • 307: In Trier erhält Konstantin von Kaiser Maximian den Titel Augustus zuerkannt und heiratet dessen Tochter Fausta.
  • 312: Konstantin besiegt seinen Rivalen Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke vor Rom und wird zum alleinigen Herrscher des westlichen Teils.
  • 313: Zusammen mit Licinius, dem Kaiser des Ostens, gibt Konstantin die Vereinbarung von Mailand – das so genannte Toleranzedikt von Mailand – bekannt. Dieses garantiert den Christen und allen anderen Glaubensgemeinschaften Religionsfreiheit.
  • 324: Konstantin siegt über die Truppen des Licinius und wird zum alleinigen Herrscher über das Römische Reich.
  • 330: Konstantinopel (heutiges Istanbul) wird als neue Hauptstadt des Reiches eingeweiht.
  • 337: Nachdem er sich noch auf dem Sterbebett taufen lässt, stirbt Konstantin in der kaiserlichen Villa von Ankyrona bei Nikomedia (heutiges Izmit/Türkei).